Trauer ist für alle Betroffenen eine besondere Herausforderung und verläuft individuell. Das TrauerZentrum des Hospiz St. Martin erweitert sein Angebot und lädt ab 29. September 2025 zu einer Trauergruppe nur für Männer ein. Hier soll es dem „starken Geschlecht“ leichter fallen, Gefühle in der Trauer zuzulassen. In den regelmäßigen Treffen gehen die Trauerbegleiter Jürgen Briem und Dieter Gerlach auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Trauernden ein. „Uns ist wichtig, einen geschützten Raum zu schaffen, der Vertraulichkeit bietet, in dem man sich öffnen kann und bei dem Menschen sind, die Ähnliches erlebt haben“, sagt Dieter Gerlach, der kürzlich die Ausbildung zum Trauerbegleiter abgeschlossen hat. Jürgen Briem, der seit mehr als fünf Jahren Trauernde begleitet und sowohl Einzel- als auch Gruppenbegleitungen durchführt, erklärt: „Männer trauern anders als Frauen: Sie ziehen sich oft zurück, suchen gerne die Einsamkeit, greifen manchmal auch zum Alkohol oder stürzen sich in die Arbeit. Bei uns können sie ihrer Trauer Raum geben und sich mit anderen Trauernden austauschen.“
Auch das „starke Geschlecht“ darf trauern
Schwächen zuzulassen, haben viele Männer nie gelernt. Das Bild vom „starken Mann“ ist in der Gesellschaft weit verbreitet und prägt die Männer oft seit ihrer Kindheit. Der Gruppenname „Trauern erlaubt! Vertrauen in die Zukunft“ soll Männer ermutigen, sich mit ihrer Trauer auseinanderzusetzen. „Männer gehen anders mit Schmerz um und das zeigt sich auch in der Trauer“, sind sich Dieter Gerlach und Jürgen Briem einig. Die beiden leiten die Gruppe ehrenamtlich. 2018 haben sie sich bei einem Ausbildungskurs zum Lebens- und Sterbebegleiter kennengelernt und sich später auch zu Trauerbegleitern qualifiziert. „Nur Sport machen und Bücher lesen war mir für den Ruhestand zu wenig. Ich wollte mich dem Thema der eigenen Endlichkeit stellen und habe mich für den Kurs angemeldet“, berichtet Dieter Gerlach. Jürgen Briem wollte nach seinem aktiven Berufsleben der Gesellschaft etwas zurückgeben: „Mir war schnell klar, dass der Umgang mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft oft ein Tabuthema ist. Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Bei meinen Begleitungen erlebe ich eine große Dankbarkeit. Das erfüllt mich sehr und gibt mir wiederrum viel Energie. Deshalb engagiere ich mich gerne.“
Geschlossene Gruppe trifft sich zehnmal
Die Gruppe startet am 29. September 2025 und trifft sich insgesamt zehnmal. Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe, das heißt, dass es von Beginn bis zum Abschluss dieselben Teilnehmer sind. „So kann sich im Laufe der Zeit eine vertrauensvolle Gemeinschaft entwickeln. Man begibt sich gemeinsam auf den Weg und will gemeinsam am Ziel ankommen“, sagt Jürgen Briem. Jedes Treffen beginnt mit einem Eröffnungsritual: Nach dem Anzünden einer Kerze nennt jeder seinen Namen und den Namen der Person, um die er trauert. Thematisch widmen sich die Treffen speziellen Themen, wie Schuld/Scham, Einsamkeit, Dankbarkeit, Ressourcen oder Kraftquellen. Auch der Umgang mit Jahrestagen (Geburtstage, Todestage, Weihnachten, etc.) wird besprochen.
„Trauergruppe für Männer“ im Überblick
Leitung: Jürgen Briem und Dieter Gerlach
Termine: ab 29. September 2025, an einem Montag im Monat von 16 bis 18 Uhr
Ort: Forum 3, Gymnasiumstraße 21, 70173 Stuttgart-Mitte
Anmeldung beim TrauerZentrum des Hospiz St. Martin: 0711/652 907-0 oder trauer@hospiz-st-martin.de
Kosten: keine, Spenden für das TrauerZentrum willkommen