Christian Storch im Interview

Der gute Geist der Kirche

Christian Storch ist seit sieben Jahren mit Leib und Seele Mesner – und seit 2022 in St. Georg in Stuttgart. Im Interview spricht er über seine Aufgaben, seine persönlichen Beweggründe für diese Arbeit und künftige Herausforderungen.

Christian Storch platziert das Evangeliar am Altar von St. Georg.

Was würde passieren, wenn es keine Mesner und Mesnerinnen mehr gäbe?

Dann wären viele Kirchengebäude und „Bedienstete“ verloren. Für sie würde sich einiges ändern. Zwar gibt es auch Pfarrer, die sich alles selbst herrichten, doch viele kommen zwei Minuten vor dem Gottesdienst, und dann muss alles fertig sein. Wir erledigen viele Aufgaben im Hintergrund, die den meisten – den Pfarrern, Zelebranten und Lektoren – nicht bewusst sind.

Warum machst du diesen Job? 

Eigentlich bin ich gelernter Erzieher. Seit ich neun Jahre alt war, war ich Ministrant. Ich hatte immer Mesnerinnen, von denen ich ganz viel gelernt habe. Und Pfarrer, an denen ich mich orientieren konnte. So habe ich meine Begeisterung für die Liturgie, das Gottesdienstgeschehen, Kirchenräume und das Gemeindeleben entwickelt. Dann wurde in St. Eberhard in Stuttgart eine 20-Prozent-Stelle ausgeschrieben und ich dachte: „Warum nicht“. Das hat mir Spaß gemacht. Als ich überlegt habe, ob ich als Erzieher eine Pause machen möchte, kam die Anfrage, ob ich nicht mit 100-Prozent in St. Georg einsteigen möchte. Nach einer Woche Bedenkzeit habe ich zugesagt. 

Was sind deine Aufgaben?

Vorrangig übernehme ich die Pflege des Kirchenraums und die Vorbereitung der Gottesdienste, also klassische Mesnerarbeit. In St. Georg bin ich zusätzlich Hausmeister. Außerdem entwickle ich Ideen und Konzepte, wie sich Besucher bei ihren Veranstaltungen im Gemeindehaus noch wohler fühlen können. Ich habe meine Gemeinde ins Herz geschlossen und bin gerne ein wichtiger Teil davon.

Was gefällt dir am meisten?

Die Nähe zur Liturgie und das „Hinter-den-Kulissen-Sein“. Zu sehen, wie sich Gottesdienstideen entwickeln, an denen ich oft mitarbeiten darf. Auch der Umgang mit den Menschen in der Gemeinde, den Ehrenamtlichen und den Gottesdienstbesuchern, gefällt mir. Das macht einfach Spaß. 

Fühlst du dich wahrgenommen oder eher als „Geist“ im Hintergrund?

Hier in St. Georg fühle ich mich zu 100 Prozent wahrgenommen. Das äußert sich oft in kleinen Dingen. So gibt es nach den Ostergottesdiensten Dankesworte für alle, die mitgewirkt haben, und auch dem Mesner wird gedankt. Darüber freut man sich. Ansonsten bekomme ich im Kontakt mit den Gemeindemitgliedern ganz viel Wertschätzung.

Hast du ein Beispiel?

Es gibt eine lustige Tradition in unserem Seniorenkreis. Es gibt Kaffee, Kuchen und viele Gespräche. Diesen Kreis bereite ich immer vor. Den Senior:innen ist es sehr wichtig, dass ich jedes Mal zwei Butterbrezeln und ein Stück Hefezopf bekomme – weil sie „Danke“ sagen wollen. Wir nennen es jetzt die „Mesnerbrezel“. 

Welche Situationen bringen dich ins Schwitzen?

Eigentlich ist alles eine Frage der Vorbereitung. Das heißt, der Gottesdienst muss eine Stunde vor Beginn stehen, damit man Zeit für die Musiker oder andere Dinge hat. Wenn das nicht möglich ist, kann es sehr stressig werden. Was ich nicht mag, ist Unpünktlichkeit oder Verfrühungen. Man muss sich also Strukturen schaffen, um mit der Zeit anderer Menschen umzugehen.

Welche Herausforderungen gibt es im Hinblick auf den Entwicklungsprozess?

Eine große Hürde wird darin bestehen, dass man nicht mehr nur für eine Kirchengemeinde zuständig ist und die Dinge weitaus flexibler gehandhabt werden. Die Bindung zu den Kirchenräumen muss neu aufgebaut werden. Ich bin zum Beispiel gerne in St. Eberhard, aber ich fühle mich dort nicht ganz wie zu Hause. Bei Problemen ist man dann nicht ganz so entspannt. Bei den neuen Strukturen der Kirchengemeinden wird es rechtlich möglich sein, den Mesner nacheinander von A und B zu schicken. Da muss man schauen, wie man sich einrichtet und Zeit zum Durchatmen und Leben in der Kirchengemeinde schafft. 

Warum sollte man Menser:in werden?

Weil der Beruf notwendig und erfüllend ist. Zwar kann man vieles ehrenamtlich auffangen, aber auch da gibt es Grenzen. Es gibt Aufgaben, für die Ressourcen bereitgestellt werden müssen, und dazu gehört für mich auch ein Mesner:in im Hauptamt. Wir können die Freude am Glauben und an der Liturgie gut weitergeben. Viele Pfarrer haben keine Zeit mehr für persönliche Gespräche und die Pfarrsekretariate sind oft nicht mehr vor Ort, sodass wir die ersten Ansprechpartner sind.

Am 29. April findet in Fellbach der Mesnertag statt. Warum sollte man dorthin gehen?

Es gibt coole Begegnungen und spannende Informationen zwischen den offiziellen Programmpunkten. Außerdem wird es einen „Markt der Möglichkeiten“ geben, auf dem man sicherlich viel Neues erfahren kann. Und ich finde es sehr wichtig, dass es Gespräche und Vorträge über die „Kirche der Zukunft“ geben wird. Das wird vielen helfen, diesen Prozess zu verstehen. Ich freue mich schon sehr auf den Mesnertag. 

Zur Person 

Christian Storch ist 38 Jahre alt und kommt aus Stuttgart Bad-Canstatt. Seine Heimatgemeinde ist die Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Sommerrain. Er engagierte sich jahrelang als Ministrant, Oberministrant, Jugendleiter, Vertreter im KGR und GKGR und auf Dekanats- und Diözesanebene beim BDKJ. Seit sieben Jahren ist er nun im Mesnerdienst. Zwei Jahre davon in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart. Seit 2022 arbeitet er als Mesner und Hausmeister in St. Georg. 

Ausbildung zum Mesner

Eine Grundqualifikation wird nicht vorausgesetzt. Wichtig sind Begeisterung für Liturgie und die Aufgaben, die das Mesner-Sein mit sich bringt. Die überdiözesane Mesnerschule der Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Mesnerverbände in München bietet Interessierten einen dreiwöchigen Qualifikationskurs an. Voraussetzungen sind eine Anstellung von mindestens 50 Prozent und eine abgeschlossene Probezeit. Die Teilnehmenden werden in Theorie und Praxis unterrichtet. Themen sind unter anderem Sakramentenlehre und Liturgik, Gewänderkunde, Lektorenschulung sowie Arbeitsrecht und Arbeitsschutz. 

Wie viele Mesnerinnen und Mesner gibt es?

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind weit über 1.200 Mesner:innen in Anstellungsverhältnissen beschäftigt. Hinzu kommen zahlreiche Mitarbeitende, die als Mesnerin und Mesner und Hausmeisterinnen und Hausmeister angestellt sind. Insgesamt geht der Mesnerverband (Stand: März 2026) von rund 4.000 haupt-, neben- und ehrenamtlich tätigen Mesnerinnen und Mesnern aus. 

Einladung zum Mesnertag

Der diesjährige Mesnertag findet am 29. April in der Schwabenlandhalle in Fellbach statt. Veranstaltet wird er vom Mesnerverband und dem Fachbereich Liturgie des Bischöflichen Ordinariats. Es wird einen Vortrag und praktische Impulse zum Thema „Mental First Aid – Erste Hilfe für die Seele“ geben. Außerdem gibt es einen Markt der Möglichkeiten mit Messeständen sowie einen Vortrag von Bischof Klaus Krämer über den Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“. Zum Abschluss findet eine gemeinsame Eucharistiefeier statt. Die Teilnahme am Mesnertag ist kostenfrei. Anmeldungen sind bei der Diözese möglich. Hier geht es zum Link Flyer 

 

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