Sonntag, 19. April 2026

30 Jahre Queergottesdienst in Stuttgart

Jeder dritte Sonntag im Monat, jeweils um 17.30 Uhr in der Kirche St. Fidelis – der Queergottesdienst im Stuttgarter Westen ist seit 1996 ein fester Anker für die Regenbogen-Community. Was einst als „Gottesdienst für Schwule und Lesben und ihre Freundinnen und Freunde“ begann, heißt heute bewusst „Queergottesdienst“, ein klares Signal, dass hier alle Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität, willkommen sind.

Gedeckter Altar in der Kirche St. Fidelis © Heiko Hauger
Queergottesdienst in St. Fidelis, Stuttgart-West

Eingeladen sind Angehörige aller Konfessionen. Viele der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher waren früher in der christlichen Jugendarbeit engagiert, wie Heiko Hauger, der seit 20 Jahren dabei ist. „Zu uns kommen Menschen aus Stuttgart und darüber hinaus. In der Regel kennt man sich und weiß umeinander, es ist ein schönes Miteinander“, erzählt der Theologe, der inzwischen bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Referent für Männerarbeit & Queersensible Pastoral arbeitet. Für ihn und viele andere war der Gottesdienst ein entscheidender Schritt, um in der katholischen Kirche wieder eine spirituelle Heimat zu finden.

„Vor 30 Jahren lebten wir in einer anderen Zeit“

„Von Anfang an war klar, dass es ein gewisses Bedürfnis nach einem solchen Angebot gibt“, erinnert sich Josef Gloning, der bereits beim ersten Gottesdienst für Schwule und Lesben dabei war. „Vor 30 Jahren lebten wir in einer anderen Zeit. Gesellschaftlich hat sich viel verändert, die Lehre der Kirche jedoch nicht. Diese Diskrepanz zwischen gelebter Spiritualität und offizieller Haltung ist für viele nach wie vor schwer auszuhalten.“

Offen für alle

„Wir sind offen, auch für alle, die auf der Suche sind“, betont Heiko Hauger. Kürzlich besuchte eine Familie mit ihrem jugendlichen Kind, das sich als queer bezeichnet, den Gottesdienst. „Zu sehen, dass man willkommen ist, dass man als Mensch gesehen wird, tut gut“, sagt Heiko Hauger. Wichtig sind auch der Austausch und die Gemeinschaft. Manche kommen einmal im Jahr, manche monatlich, manche sind auch in ihrer Ortsgemeinde aktiv und für manche ist es der einzige Andockpunkt zur Kirche. „Menschen sind mit ihrem Coming-out an unterschiedlichen Punkten unterwegs. Es ist natürlich nicht jedes Mal das Thema, aber es darf ein Thema sein. Wir sind miteinander und füreinander da“, so Heiko Hauger.

Begegnung im Gottesdienst und danach

Ein besonderes Symbol ist die Regenbogenstola, die die Kirchengemeinde dem Team zum 25-jährigen Jubiläum schenkte. Etwa zehn Priester zelebrieren abwechselnd die Eucharistiefeier. Der Queergottesdienst lebt von der Begegnung im Gottesdienst und danach. „Es ist eine Bestärkung, die man mit in den Alltag nimmt. Über den Gottesdienst erleben die Menschen wieder Zugang zum Glauben und zur Kirche und dass sie sich hier öffnen dürfen“, sagt Josef Gloning, der zum Sprecherkreis des Gottesdienstes gehört.

Homosexualität und geschlechtliche Identität in der Kirche sichtbar

„Der engere Kreis aus der Anfangszeit hat sich – auch durch #outinchurch – geweitet. Es gibt große Unterstützung, das finde ich gut und wichtig. Wenn ich mit meinem Mann in einen anderen Gottesdienst gehe, habe ich kein komisches Gefühl mehr“, so Heiko Hauger. Trotzdem bleibe der Gottesdienst wichtig, damit die Themen Homosexualität und geschlechtliche Identität weiter in der Kirche sichtbar sind.

Der Queergottesdienst findet immer am dritten Sonntag im Monat um 17.30 Uhr in der St.-Fidelis-Kirche (Seidenstraße 41, Stuttgart-West) statt. Alle Termine sind unter queergottesdienst-stuttgart.de abrufbar.

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